Die liberale Stimme an der Fils

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Nur Mut – Alles lässt sich ändern!

Sehr geehrter Herr Landrat,



die FDP-Kreistagsfraktion stellt hinsichtlich des Klinikaltbaus am Eichert folgende

Anträge:



1. Die Landkreisverwaltung prüft die Möglichkeit einer Nachnutzung des

Klinikaltbaus am Eichert als „Sozial- und Verwaltungszentrum“ in

mehrheitlicher Trägerschaft des Landkreises.



2. Die Landkreisverwaltung prüft zudem eine gesellschaftsrechtliche

Beteiligung der Kreisbaugesellschaft mbH Filstal, der Wohnbau GmbH

Göppingen, der Kreissparkasse Göppingen und der Stadt Göppingen

an einem solchen „Sozial- und Verwaltungszentrum“.



3. Des Weiteren erstellt die Landkreisverwaltung eine subsumierte

Gesamtkostenschätzung für den Umbau und die Unterhaltung eines

solchen „Sozial- und Verwaltungszentrums“. Desgleichen erstellt sie

eine Gesamtkostenschätzung für alle landkreiseigenen sowie alle vom

Landkreis gemieteten oder gepachteten Sozial-, Bildungs- und

Verwaltungsimmobilien mit einer entsprechenden Auflistung. Beide

Kostenschätzungen haben sich auf die nächsten 30 Jahre zu beziehen.

Die finale Kostenprognose für den Abbruch des Klinikaltbaus wird

zudem ermittelt, um insgesamt eine vergleichende Kostendarstellung

zu erhalten.



Erläuterung und Begründung:

Mittlerweile ist bekannt geworden, dass die Firma Arcadis eine aktualisierte

Kostenprognose für den Abriss des Klinikaltbaus am Eichert aufgrund

artenschutzrechtlicher Vorgaben frühestens in sechs Monaten vorlegen können wird,

nachdem festgestellt wurde, dass sich in den Fassaden des Klinikaltbaus Fledermäuse

niedergelassen haben. Neben weiteren erheblichen Kostensteigerungen durch die

Einholung notwendiger artenschutzrechtlicher Konzepte und ökologischer Gutachten,

wird auch der Abriss aufgrund des erforderlichen Artenschutzes zu einem erhöhten

finanziellen Aufwand für den Landkreis führen.



Vor diesem Hintergrund gebietet es bereits der Grundsatz einer ordnungsgemäßen

Verwaltung, aber auch der Respekt vor den Steuerzahlenden, dass auch anderweitige

Möglichkeiten wie die Nachnutzung des Klinikaltbaus geprüft werden, soweit hierdurch

die Interessen des Landkreises sowie insbesondere die Belange des neuen Alb Fils

Klinikums nicht gefährdet werden. Zudem sollte die Zeit bis zum Vorliegen einer

abschließenden Kostenprognose durch die Firma Arcadis sinnvoll genutzt werden.

Ein Verkauf des Klinikaltbaus am Eichert an einen privaten Investor kommt für die FDP-

Kreistagsfraktion insbesondere aufgrund der damit verbundenen Risiken für den

Betrieb des neuen Alb Fils Klinikums nicht in Betracht!



In schwierigen Zeiten braucht es dennoch Mut für Veränderungen, soweit und solange

diese dem Wohl des Landkreises dienen. Genauso wie sich Sachlagen plötzlich und

unerwartet ändern, können sich auch die politischen Einschätzungen hierzu

entsprechend ändern – Alles lässt sich ändern!



Zudem wird darauf hingewiesen, dass die FDP-Kreistagsgruppe bereits in ihrer

Haushaltsrede am 8. November 2024 deutlich gemacht hat, dass ein Erhalt sowie eine

Nachnutzung des Klinikaltbaus nur dann in Frage kommt, wenn eine Gefährdung des

neuen Alb Fils Klinikums ausgeschlossen werden kann. In diesem Zusammenhang

wurde u.a. die Nachnutzung des Klinikaltbaus in Form eines kommunalen „Sozial- und

Verwaltungszentrums“ vorgeschlagen, wie es diesem Antrag zugrunde liegt.

In einem „Sozial- und Verwaltungszentrum“, das sich ideal in den Gesundheitscampus

auf dem Eichertgelände einfügen würde, könnten eine Vielzahl an Einrichtungen,

Behörden und Dienstleistungen untergebracht werden:



- Sämtliche Außenstellen der Landkreisverwaltung, wie etwa das

Gesundheitsamt, das Landwirtschaftsamt, das Amt für Veterinärwesen und

Verbraucherschutz oder auch das Forstamt sowie die Beratungsstellen des

Landkreises; ggf. auch Teile des Landratsamtes selbst sowie Ämter und

Einrichtungen der Stadt Göppingen.

Dies würde zu erheblichen Einsparungen und Erträgen führen. Miet- und

Pachtkosten entfielen bzw. Gebäude, die im Eigentum des Landkreises stehen,

könnten vermietet bzw. verpachtet oder verkauft werden.

- Gesundheitsnahe Dienstleistungen wie Rehabilitationseinrichtungen oder

Einrichtungen verschiedener Gesundheitsfachberufe, wie z.B. Physiotherapie-,

Ergotherapie- oder Logopädiepraxen sowie auch Rettungsdienste.

- Sozial- und Pflegeeinrichtungen bzw. entsprechende Dienste, Familientreffs,

Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen sowie Kranken- und Pflegekassen.

- Kindertagesstätten, Krippen und Horte, insbesondere für die Mitarbeitenden

des Alb Fils Klinikums, aber auch zur Entlastung der angespannten

Betreuungssituation in der Stadt Göppingen.

- Wohnungen ausschließlich für Mitarbeitende des Alb Fils Klinikums, da die

bestehenden Kapazitäten derzeit schon nicht mehr ausreichen, sowie Zimmer

ausschließlich für Studierende am Hochschulstandort Göppingen.

- Die Bodelschwinghschule Göppingen, die am jetzigen Standort teuer saniert

und erweitert werden müsste sowie sonstige geeignete Bildungseinrichtungen.

Neben der insbesondere langfristig erheblichen Kostenersparnis sowie möglicher

Miet- bzw. Pachteinnahmen und Verkaufserlöse, die von der Landkreisverwaltung im

Rahmen der Gesamtkostenschätzung zu berücksichtigen sind, trägt die Bündelung

einer Vielzahl solcher Einrichtungen unter einem Dach auch wesentlich dem

Klimaschutz bei.



Ein solches „Sozial- und Verwaltungszentrum“, das in der privatrechtlichen Rechtsform

einer GmbH betrieben werden könnte, muss zumindest in mehrheitlicher Hand des

Landkreises verbleiben. Gesellschaftsrechtliche Beteiligungen Dritter, die dem Sinn

und Zweck eines solchen Zentrums nicht zuwiderlaufen dürfen, müssen jedoch mit

Blick auf die notwendigen Investitionskosten geprüft werden.

Abhängig von den baurechtlichen Anforderungen an die Umsetzbarkeit eines solchen

„Sozial- und Verwaltungszetrums“, bestünde auch die Möglichkeit eines teilweisen

Rückbaus des Klinikaltbaus um wenige Geschosse. Auch ein Teilabbruch muss daher

als mögliche Alternative im Rahmen der beantragten Prüfung für ein solches Zentrum

in Betracht gezogen werden. In beiden Alternativen könnte jedenfalls relativ einfach

gewährleistet werden, dass die Räumlickeiten eines solchen „Sozial- und

Verwaltungszetrums“ für eine zukünftig gegebenenfalls notwendig werdende

Erweiterung des Alb Fils Klinikums zur Verfügung gestellt werden.



Besten Dank und viele Grüße

Oliver Strommer

Vorsitzender FDP-Kreistagsfraktion Göppingen